Pro und contra BYOD: Unser neuer Themenschwerpunkt im net2net-Blog

Verfasst am 17. Apr. 2013 von | Kategorie: BYOD, IT-Beratung, Mobility

Über kein anderes Thema wird in der IT-Branche im Moment so leidenschaftlich diskutiert wie über BYOD. Während viele IT-Verantwortliche dem „Bring your own device“-Trend noch skeptisch gegenüberstehen, sehen die meisten Anwender die Sache ganz anders: Sie möchten selbst entscheiden, welche Endgeräte sie für ihre Arbeit nutzen, und wollen auch mit privaten Smartphones, Tablets und Notebooks auf das Firmennetz zugreifen können.

Ich persönlich bin beim Thema BYOD ein wenig hin und her gerissen. Einerseits kann ich IT-Abteilungen verstehen, die die Kontrolle über die mobilen Endgeräte nicht aus der Hand geben möchte. Schließlich tragen sie auch in Zukunft die Verantwortung für die Sicherheit sensibler Unternehmensdaten. Anderseits sehen wir in vielen Unternehmen schon heute, dass Mitarbeiter ihre eigenen Mobilgeräte mit ins Büro bringen und für berufliche Aufgaben wie E-Mail-Kommunikation und Terminverwaltung nutzen. Das fängt bei Geschäftsführern an, die im Alltag nicht auf ihre neuesten Gadgets verzichten wollen, und reicht bis zu den jüngsten Mitarbeitern – den so genannten „Digital Natives“. Die Berufsanfänger, die mit Smartphones und mobilem Internet groß geworden sind, setzen sich im Zweifelsfall oft einfach über die Vorschriften der IT-Abteilung hinweg. Ich kann mir daher kaum vorstellen, dass der Einzug der privaten Endgeräte ins Geschäftsleben noch zu stoppen ist.

Bei net2net beschäftigen wir uns schon seit einiger Zeit mit dieser Thematik. Viele unserer Technologiepartner wie zum Beispiel AppSense, Citrix, Microsoft, Sophos und VMware haben in den letzten Monaten Produkte vorgestellt, die BYOD-Szenarien adressieren. Die Herausforderung aus technischer Sicht ist nun, aus den einzelnen Bausteinen integrierte Lösungen für das Management mobiler Endgeräte, Applikationen und Benutzer zu entwickeln. Beim Einsatz privater Geräte ist dabei vor allem auf die strikte Trennung von persönlichen und geschäftlichen Apps und Daten zu achten.

BYOD ist aber nicht nur eine technische, sondern auch eine organisatorische Herausforderung: Unternehmen, die private Endgeräte für dienstliche Zwecke zulassen, müssen auch für die Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen sorgen. Dazu ist es notwendig, entsprechende Richtlinien zu formulieren und Betriebsvereinbarungen mit den Angestellten zu schließen. Finanzielle und steuerliche Aspekte können im Zusammenhang mit BYOD ebenfalls eine Rolle spielen: In einigen Firmen gibt es bereits Modelle, bei denen die mobile Hardware der Mitarbeiter offiziell bezuschusst wird – und damit auch als geldwerter Vorteil gilt.

Bei der konkreten Umsetzung von BYOD-Programmen stehen viele Unternehmen noch ganz am Anfang – und die strategischen Ansätze unterscheiden sich teilweise ganz erheblich. In jedem Fall kratzen diese Initiativen aber immer am Selbstverständnis der IT-Abteilung: Wie verändert sich die Rolle der IT im Unternehmen, wenn die Anwender selbst die Verantwortung für die Auswahl und Beschaffung ihrer Endgeräte übernehmen? Und wie können die IT-Verantwortlichen bei wichtigen technischen Fragen auch in Zukunft die Zügel in der Hand behalten?

Mit Fragen wie diesen werden wir uns in den nächsten Monaten im net2net-Blog beschäftigen. Wir wollen die „Bring-your-own-device“-Idee aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten und lassen dazu Experten für mobile IT-Lösungen, Sicherheit und Datenschutz zu Wort kommen. Und natürlich freuen wir uns auch über Ihre Anregungen und Kommentare zum Thema BYOD!

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2 Kommentare
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  1. Sehr guter Beitrag der fast alle Aspekte berücksichtigt.
    Nur zwei Überlegungen fehlen noch.
    1. Arbeitsrecht im Sinne der Arbeitszeit und damit verbunden auch
    2. Versicherungsthemen im Sinne der Berufsgenossenschaft.

  2. Hallo Herr Wagmann,

    grundsätzlich stimme ich Ihrem Hinweis zu, dass BYOD und die damit verbundenen Aktivitäten Einfluß auf die geleistete Arbeitszeit haben. Dies ist jedoch kein Problem, das sich erst jetzt neu mit BYOD stellt. Auch die bisherigen vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten mobilen Geräte wurden und werden rund um die Uhr auf Dienstreisen, in Hotels, in Pausenzeiten bei Seminaren oder auch am Abend und am Wochenende von zu Hause aus genutzt. All diese „Arbeitszeiten“ entziehen sich der üblichen Arbeitszeiterfassung der Unternehmen.

    Lösungsansätze gibt es hier unterschiedliche, deren Praktikabilität sich noch zeigen muss:

    Kein Empfang und Versand von E-Mails über mobile Geräte zwischen 18:15 und 07:00.
    So haben es die Volkswagen AG und deren Betriebsrat in 2011 in einer Betriebsvereinbarung für Tarifangestellte vereinbart.

    Begrenzung der Nutzung der mobilen Geräte auf das WLAN des Unternehmens,
    wenn es keine Notwendigkeit für den Einsatz des Mitarbeiters außerhalb der Räumlichkeiten des Arbeitgebers,gibt. Somit wäre sichergestellt, dass die mobilen Geräte nur während der durch das Zeiterfassungssystem dokumentierten Zeiten genutzt werden kann. Voraussetzung sind hier Systeme ohne eigene Datenhaltung auf dem mobilen Gerät, sodass der Zugriff auf Daten und Applikationen über das Firmennetzwerk regelementiert werden kann.

    Vertrauensarbeitszeit
    verzichtet zwar auf eine grundsätzliche Arbeitszeiterfssung. Sie entbindet den Arbeitgeber jedoch nicht von seinen Dokumentationspflichten hinsichtlich der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes. Der Arbeitgeber kann diese Dokumentaitonspflichten jedoch auf den Arbeitnehmer übertragen. Im Rahmen dieser Dokumentation können dann auch die zusätzlichen Zeiten erfasst werden. Die Einhaltung der 11-stündigen ununterbrochenen Ruhezeit wird sich hier wohl als schwierig gestalten und erfordert dann auch vom Mitarbeiter Disziplin und Mut zur Abstinenz.

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