vSphere 5.1: Eine Nachlese zur sbc-convention 2012

Verfasst am 16. Dez. 2012 von | Kategorie: Allgemein

Da wir am ersten Tag der sbc-convention das Thema vSphere 5.1 nur kurz angeschnitten haben, möchte ich hier die Gelegenheit nutzen, das Thema noch einmal etwas ausführlicher aufzugreifen.

Zunächst eine Übersicht der wichtigsten Neuerungen:

  • Support für 64 vCPUs in einer VM
    Auch wenn VMs mit 64 vCPUs sicherlich nur sehr selten bereitgestellt werden, ist es dennoch gut zu wissen, dass eine solche VM mit nahezu nativer Performance funktionieren würde.
    Auch hier nachzulesen: http://labs.vmware.com/publications/performance-evaluation-of-hpc-benchmarks-on-vmwares-esxi-server
  • Erweiterter bzw. neuer Hardware-Support
    • Bis zu 256 CPUs
    • Intel “Ivy Bridge” und “Sandy Bridge”
    • AMD “Piledriver”
  • Memory Overhead Reduzierung
    Sehr große und komplexe VMs erzeugen auch einen großen RAM-Overhead im Hypervisor. Vor ESXi 5.1 musste dieser zwingend im physikalischen RAM des Hosts abgelegt werden. Mit ESXi 5.1 gibt es nun die Möglichkeit, diesen Overhead auf einen Datastore zu „swappen“:
    “esxcli sched swap system set -d true -n <datastore name>
  • Optimierung für latenzkritische Workloads
    Mit dieser Optimierungsmöglichkeit werden konkret Voice- oder Video-Applikationen angesprochen.

  • VMware Tools Update ohne Reboot
    Wenn Ihre VMware Tools einmal auf die Version 5.1 aktualisiert wurden, ist kein weiterer Reboot bei kommenden Updates mehr nötig.
    Bitte beachten Sie aber, dass es sich dennoch um ein Treiber-Update handelt. Sollten Sie z.B. iSCSI-Verbindungen aus dem Gast aufbauen, kann es zu einer kurzen Unterbrechung der Netzwerkverbindung kommen, was eventuell zu Datenverlust führt.
  • Storage I/O Control-Erweiterung
    Mit vSphere 5.1 wurde der überwachte Storage Stack bis in die VM hinein erweitert:

(c) VMware

  • 16 Gbit FibreChannel-Unterstützung
    Auch wenn dieser Schritt in den meisten Umgebungen noch etwas entfernt ist, kann die Unterstützung bei einer Neuanschaffung ein wichtiges Kriterium sein.
    Wichtig ist an dieser Stelle noch zu sagen, dass mit diesen neuen HBAs nicht nur der Durchsatz bzw. I/O massiv gesteigert wird, sondern auch die CPU-Last für den ESXi pro I/O extrem verringert wird:

(c) VMware

  • Weiterentwicklung von vMotion
    Neben den üblichen Performance-Verbesserungen wird vMotion mit ESX 5.1i noch flexibler. Sie haben nun die Möglichkeit, eine Live-Migration von virtuellen Maschinen ohne zentralen Storage durchzuführen. Dabei werden quasi vMotion und Storage vMotion in einem Zug ausgeführt. Ein Wechsel von Host und Datastore im laufenden Zustand (Enhanced vMotion) ist nur über den WebClient durchführbar.

(c) VMware

  • Netzwerk-Health-Check
    Mit der VDS Version 5.1 können nun Kernkonfigurationen der physikalischen Switches überwacht werden. Folgende drei Netzwerkparameter werden in regelmäßigen Abständen kontrolliert:

    • VLANs
    • MTU Size
    • Teaming

  • VDS Backup und Restore
    Sie haben nun die Möglichkeit, Ihre komplette VDS-Konfiguration zu exportieren. Beim Restore haben Sie dann die Option, eine neue Konfiguration daraus zu erzeugen oder eine bestehende zu überschreiben.
  • VDS Management Netzwerk Rollback und Recovery
    Dahinter verbergen sich konkret zwei Neuerungen:

    • VDS Management Netzwerk kann nun über die DCUI konfiguriert werden
    • Sollte aufgrund eines Konfigurationsfehler die Hostverbindung zum vCenter abbrechen, wird der letzte Stand verwendet, um diesen Zustand zu beheben
  • VDS LACP Support
    Hierzu wurden von unserer Seite noch keine Tests durchgeführt.
  • Verändertes APD-Verhalten
    APD bedeutet „All Paths Down“. Gemeint ist damit der ungeplante Verlust von allen Pfaden zu einer LUN (FC oder iSCSI).
    Bis ESXi 5.0 hat dies teilweise zu einem kompletten Hänger des ESXi geführt, da er permanent versucht hat, die Verbindung wieder herzustellen.
    Mit ESXi 5.1 wurde ein Timeout von 140 Sekunden für den erneuten Verbindungsaufbau eingeführt (Wert ist veränderbar). Dies sorgt für eine wesentlich höhere Stabilität in einem solchen Fehlerfall.

    Beispiele hierfür sind:

    • Ausfall des kompletten Filers
    • Kompletter Switch-Ausfall
    • Fehlkonfigurationen der iSCSI- / FC-Ports
  • vSphere HA PDL Verhalten
    PDL bedeutet „Permanent Device Loss“. Diese Situation tritt ein, wenn eine LUN auf einem Storage Controller offline genommen wird bzw. offline geht, der Controller aber noch die Zeit hat, die verbunden Geräte zu benachrichtigen. Bis ESXi 5.0 wurde auf diesen SCSI-Befehl standardmäßig nicht reagiert. Mit ESXi 5.1 können nun die VMs auf einer solchen LUN per HA neu gestartet werden (natürlich auf einem Host, der diese LUN noch verbunden hat). Dieses Verhalten ist sehr wichtig für Kunden mit Stretched Cluster-Konstrukten.
    Weitere Infos finden Sie hier: http://www.vmware.com/resources/techresources/10299
  • Einführung Single Sign-On (SSO) Server für das vCenter
    Dieses Modul ist im vCenter 5.1 zuständig für die Authentifizierung von Erweiterungen und allen Benutzern. Der große Vorteil für Anwender ist nun, dass sie wesentlich flexibler bei der Anbindung von ADs und anderen Quellen sind:

  • Endgültige Einführung des vSphere WebClients
    Ich kann jeden vSphere-Administrator verstehen, der sich etwas gegen die Verwendung des neuen Clients sträubt, weil viele Funktionen erst einmal sehr lange gesucht werden müssen und andere Funktionen wesentlich umständlicher zu erreichen sind.
    Dennoch ist die Einführung des WebClients für mich ein sehr wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der neue Client ist wesentlich flexibler einsetzbar als der bisherige Client. Außerdem gibt es bereits jetzt viele Funktionen und Ansichten, die nur im WebClient verfügbar sind. vSphere 5.1 wird auch voraussichtlich das letzte Release mit klassischem Client sein.
    Ein kleiner Hinweis am Rande: Stellen Sie Ihren Browser am besten auf Englisch um, sonst kommt es immer wieder zu Darstellungsfehlern und fehlerhaften Meldungen.

Hier noch zwei meiner Lieblingsfunktionen:

  • Work in Progress
    Wenn Sie in einem Vorgang – z.B. bei der Erstellung einer VM – unterbrochen werden, haben Sie die Möglichkeit, den Vorgang abzulegen und später erneut aufzurufen1. Ablegen

    2. Erneutes Aufrufen

  • Tags
    Tags sind die Erweiterung der bereits bekannten Funktion der benutzerdefinierten Attribute. Sie haben nun die Möglichkeit, alle Typen von Objekten mit Tags zu versehen.
    Hier sind zum Beispiel alle Objekte aufgelistet, die etwas mit iSCSI zu tun haben:

  • vSphere Data Protection (VDP)
    Mit VDP führt VMware eine neue Backup-Appliance ein. Diese ist für alle Kunden ab dem Essential Plus Bundle verfügbar.
    Die Appliance kann in drei Größen bereitgestellt werden:

    • 0,5 TB
    • 1 TB
    • 2 TB

    Die Größe gibt jeweils die Backup-Kapazität der VM an, dafür wird etwa der 1,5-fache Speicherplatz benötigt.

    Beispiel der 0,5 TB Variante:

    Wichtig ist hierbei zu wissen, dass die Backups direkt in der Appliance gespeichert werden und nicht auf einen CIFS- / NFS-Share exportiert werden.
    Die Ablage auf einem dedizierten Datenspeicher ist also ratsam (z.B. zweites Storage-System).

    Selbstverständlich existieren auch Empfehlungen dazu, wie Ihre Bereitstellung aussehen sollte:

    (c) VMware

    Anhand der Tabelle lässt sich schon vermuten, dass mehrere Appliances erlaubt sind. Maximal können 10 Appliances pro vCenter bereitgestellt werden.

    Für den Einsatz der Appliance ist zwingend vSphere 5.1 erforderlich. Dies hängt unter anderem mit der vollen Integration in den WebClient zusammen:

    vSphere Data Protection bietet folgende Restore-Optionen:

    • Überschreiben einer vorhandenen VM
    • Wiederherstellen der VM unter einem anderen Namen
    • File Level Restore (über separates Interface auf der Appliance)
  • vSphere Replication
    Zur Replikation möchte ich erst einmal grundsätzlich sagen, dass es sich hierbei für mich hauptsächlich um eine Verfügbarkeitslösung und nicht um eine Backup-Lösung handelt.
    Selbstverständlich kann vSphere Replication aber auch in gewissem Maße als sehr schnell wieder verfügbares Backup genutzt werden.
    vSphere Replication wird in vSphere 5.1 ebenfalls als Appliance ab dem Essential Plus Bundle angeboten. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Bereitstellungsvarianten:

    • Innerhalb einer Site
      Beispiel hierfür wäre:
      Replikation einiger VMs von Filer1 auf Filer2
      Die VMs sind damit gegen den Ausfall von Filer1 geschützt.
    • Site-übergreifend
      Beispiel hierfür wäre:
      Replikation in ein zweites Cluster mit einem zweiten vCenter
      Die VMs sind damit in gewissem Maße gegen den Ausfall einer kompletten Site geschützt.

    Wie auch vSphere Data Protection ist die Replikation komplett in den neuen WebClient integriert.
    Die wichtigsten Konfigurationspunkte für die Replikation sind, wie oft ein Update gesendet wird und ob das OS stillgelegt werden soll (nur VSS möglich):

    Failover sieht wie folgt aus:

    Der Vorgang an sich dauert dann nicht einmal eine Minute:

Informationen zu den wichtigsten unterstützten Konfigurationen:


NetApp:

  • VirtualStorageConsole (VSC) 4.1
    • ESXi 5.1 unterstützt
    • vCenter 5.1 unterstützt
    • Plugin kann nicht im WebClient angezeigt werden
  • Data OnTap Versionen
    • OnTap 7.3.x – 8.1.x unterstützt

Weitere Infos finden Sie hier:
http://www.vmware.com/go/hcl

http://support.netapp.com/NOW/products/interoperability/

Fujitsu:

  • Rack Server
    • RX300 S4 – RX300 S7 unterstützt
  • Storage Systeme
    • DX60 – DX90 unterstützt
    • DX60 S2 – DX90 S2 unterstützt

Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.vmware.com/go/hcl

http://support.ts.fujitsu.com

Persönliches Fazit:
Mit vSphere 5.1 hat VMware mehr als ein gewöhnliches Maintenance-Update herausgebracht. Es wurden nicht nur sehr große Änderungen und Erweiterungen von Funktionen eingeführt, sondern auch komplett neue Module eingeführt.
Die besten Beispiele dafür sind vSphere Data Protection und vSphere Replication. Und man beachte: Diese Neuerungen sind nicht wie häufig in den vergangenen Releases nur für „Enterprise Plus“-Kunden verfügbar, sondern für nahezu alle vSphere-Anwender.
Dass wir nicht unmittelbar nach der vSphere 5.1-Veröffentlichung mit dem Update bei Ihnen ins Haus gefallen sind, hat allerdings auch seine Gründe:

  • Der Support von Fujitsu-Seite kam erst im November.
  • vCenter 5.1 war anfangs sehr fehlerbehaftet, allerdings wurden mit vCenter 5.1.0a die gröbsten Schwachstellen behoben.
  • Einige Plugins – sowohl von VMware als auch von Drittherstellern (unter anderem NetApp VSC und Update Manager) – sind noch nicht auf der WebClient-Plattform umgesetzt. Somit werden Anwender zur Verwendung beider Clients gezwungen.

Meine persönlichen Erfahrungen mit vSphere 5.1 sind mittlerweile durchweg sehr gut. Wenn NetApp nun noch die VSC in der Version 4.2 mit WebClient-Unterstützung auf den Markt bringt, spricht nichts mehr dagegen, auf vSphere 5.1 umzusteigen.

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